Gelebte Grosszügigkeit

28.08.2018

Rinder stehen auf komplett brauner Weide und suchen Futter – solche Bilder kennen wir aus Afrika. Die Dürre betrifft dieses Jahr auch unsere Region und wird an Härte und Dauer mit 1947 gemessen. Die Folgen sind fehlende Futtervorräte, sinkende Schlachtkuhpreise und steigende Preise für Raufutter. Bauernverband, Milchverband, Landwirtschaftsamt und KOL haben sich abgesprochen und einen ganzen Strauss Massnahmen verabschiedet, um die Folgen der Dürre zu mildern. So wandert der Mais fast vollständig in die Betriebe mit Raufutterverzehrern, die frisch aufgeschaltete Börse für Raufutter nimmt an Fahrt auf. Ackerflächen werden auf Hoffnung mit Zwischenfutter angesät, und regional sowie national laufen Verhandlungen, um die Milchpreise aufgrund der Situation erhöhen zu können. Leider zeichnet sich ab, dass die Notlage von Einzelnen dazu benutzt wird, von den Berufskollegen unangemessene Preise zu verlangen. Können wir es uns leisten, in dieser Situation grosszügig zu sein? Den Mais, Siloballen und Heu und das Zwischenfutter zum üblichen Preis dem Berufskollegen abzugeben? Nein, Fr. 3500.– für stehenden Mais und Fr. 45.– für Heu ab Stock sind keine grosszügigen Preise. Für das Wasser, das ich meinen Kollegen abgebe, einen Dürrerabatt zu gewähren? Als Käser einer moderaten Preiserhöhung zuzustimmen und als Händler die Kühe bestmöglich zu platzieren und die Marge tief zu halten? Ich bin überzeugt, wir können und sollen.
Bereits heute ist klar, dass 2018 als extremes Jahr in unseren Erinnerungen haften bleibt. Ich hoffe sehr, dass zu den Geschichten, die wir einander und unseren Kindern erzählen werden, auch solche von gegenseitiger Hilfe und gelebter Grosszügigkeit gehören. Diese Geschichten schreiben wir jetzt und in den kommenden Monaten. Bitte beteiligt euch daran.


Rheinklingen, August 2018
Daniel Vetterli

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