Normalitätsoase

26.05.2020

Während den letzten Wochen, in denen das öffentliche und private Leben «heruntergefahren» wurde, hat sich schnell gezeigt, dass Gärtnern ohne grosse Einschränkungen möglich ist. Der Garten wurde zur Oase der Normalität. Das mag daran liegen, dass Fotosynthese betreibende Lebewesen immobil sind und daher auch immer zu Hause bleiben.
Auch wir mobilen Gartenmenschen kommen mit den Einschränkungen besser klar als Homeofficegeplagte Mitmenschen ohne Garten. Sicher spielt die Tatsache eine Rolle, dass das Wirken im Garten Charakterzüge verlangt, die zur Bewältigung von Krisen unabdingbar sind. Geduld ist so eine Tugend. Im Garten sind Zeit und Geschwindigkeit relativ, «eben mal schnell» geht nicht. Samen brauchen Zeit, um zu keimen, und Bäume wachsen auch nicht über Nacht in den Himmel. Wer regelmässig einen Garten pflegt, weiss auch, dass eine gewisse Leidensfähigkeit dazugehört. Der Pragmatismus, gepaart mit dem Wissen, dass es nichts bringt, sich über Nacktschnecken, Unkraut und Viren aufzuregen, wird sicher nicht aufgeben und/oder resignieren. Denn hat sich eine Schnecke schon zum x-ten Mal an den Salatsetzlingen gütlich getan, sind zum Glück auch wieder die Fachgeschäfte offen, um Nachschub zu holen. Und wie ist das mit dem Abstandhalten? Bei Gemüsesetzlingen, Blumenbeeten und Co. ein absolutes Muss, will man eine gute Ernte haben. In diesem Sinne, lieber Garten, können wir von dir nur lernen, wie man mit Krisen umgeht.


Daniel Brogle, Leiter Gärten, BBZ Arenenberg

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