Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
18. Januar 2019


Big Brother im Schweinestall

Ausgabe Nummer 51 (2018)

Eine Studie über das Verhalten von Schweinen im Maststall, und eine Führung durchs Agrotechnorama standen im Mittelpunkt der vierten Austragung von «Soup & Science» der Agroscope Tänikon. Ziel dieser Informationsveranstaltungen ist es, den Austausch zwischen der Bevölkerung und Agroscope sowie auch der Swiss Future Farm zu fördern.

Der erste Teil des Anlasses war ganz einem der ältesten Haustiere des Menschen, dem Schwein gewidmet. Der Wissenschaftler Dr. Felix Adrion berichtete anschaulich über seine Forschungsarbeit mit Mastschweinen, die er mit seinem Team an der Universität Hohenheim in Deutschland durchgeführt hatte. Um mehr über das Verhalten der Vierbeiner zu erfahren, wurden den Tieren spezielle Ohrmarken angebracht. An exponierten Standorten im Stall, wie beispielsweise bei der Futterstelle, den verschiedenen Tränken und dem Spielbereich wurden Lesegeräte montiert, die mittels Funktechnik mit den Transpondern (Ohrmarken) kommunizierten und so den Alltag der Tiere aufzeichneten. Dabei wurden die Laufwege untersucht, wie und wann die Tiere fressen und trinken, wann sie sich in der Spielecke austobten und vieles mehr. Hauptziel der Studie, nebst der Verhaltensforschung war es, kranke Tiere möglichst frühzeitig zu erfassen, um entsprechend schnell behandeln zu können. Kranke Tiere ändern ihr Verhalten, bewegen sich weniger und widmen sich auch weniger dem Spiel. In einem Stall mit mehreren hundert Schweinen bringt diese Technik viele Vorteile und Erleichterungen im Umgang mit den Tieren mit sich.

Hochleistung auf vier Rädern
Im Mittelpunkt des zweiten Teils stand ein Mähdrescher der neuesten Generation, eine riesige Maschinerie auf vier Rädern der Marke Fendt, die mit gewaltigen Kennzahlen aufwartete. Eine Arbeitsreichweite von bis zu zwölf Meter und eine Dreschleistung von 100 Tonnen Weizen oder 135 Tonnen Mais pro Stunde, zeugen eindrücklich von der Entwicklung und des Fortschrittes im Maschinenbereich der letzten Jahre. Das Korntankvolumen beträgt etwa 17 000 Liter. Und mit seiner über 600 PS starken Motorenleistung lässt er sich mit Lastwagen messen. Das vollklimatisierte, mit Kameras und Messinstrumenten ausgestattete Fahrzeug leistet damit das Mehrfache eines durchschnittlichen Gefährtes wie es bei uns auf den Feldern jeweils anzutreffen ist. Allerdings ist der Einsatzbereich in unseren Breitengraden beschränkt, da wir nur wenige so grosse zusammenhängende Nutzflächen haben, dass sich ein Einsatz damit lohnen würde. Dennoch ist Interesse, vorallem aus der Westschweiz, angemeldet.

Eine Zeitreise durch den bäuerlichen Alltag
Im dritten Teil der Vorführung wurden die Besucher ganz zum Ursprung der Landwirtschaft zurückgeführt, wo das Arbeiten mit Ross und Wagen noch allgegenwärtig war. Rund tausend Arbeitsstunden waren damals nötig, um eine Hektare Getreide einzubringen. Dementsprechend waren damals etwa 70 % aller Erwerbstätigen im Landwirtschaftssektor tätig. Heute sind es noch etwas mehr als 2 %, Tendenz abnehmend. Interessant ist, dass bereits die alten Ägypter vor mehr als 2500 Jahren einen ersten, noch sehr einfachen Dreschwagen bauten, und mittels Pferden oder Ochsen damit ihre Felder bewirtschafteten. Bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts ging die technische Entwicklung der Geräte nur schleppend vor sich. Nutztiere waren die zuverlässigen Unterstützer der Bauern, erst die industrielle Revolution brachte erste mechanische Maschinen hervor, die die Arbeit der Bauern entscheidend vereinfachten. Nach so viel neuem Wissen über den Anbau von Getreide und Gemüse, war es Zeit dieses zu kosten, in Form von Brot und Suppe, das als Abschluss der Veranstaltung im Hauptgebäude aufgetischt wurde.


Rolf Hug
Elgger / Aadorfer Zeitung










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