Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Die Chance im Sparprojekt

Ausgabe Nummer 19 (2018)

Schweizer Obstverband (SOV) zu Gast in Rossrüti

Agroscope steht vor allem aufgrund seiner Kosten in bundesrätlicher Kritik. Dies sieht die neue Leiterin Eva Reinhard als Chance für strukturelle Anpassungen und eine konsequente Positionierung für die Zukunft.

Forschungsarbeit hat auch in der Landwirtschaft ihren festen Platz. Zu Diskussionen Anlass gibt zurzeit allerdings, wieviel sie kosten darf. 20 % weniger, fand eine Mehrheit des Bundesrates. Umsetzen soll dies die neue Leiterin der Forschungsanstalt Agroscope, Eva Reinhard. Wie sie dies zu tun beabsichtigt, erklärte sie bei «SOV im Gespräch» auf dem Obstbaubetrieb von Thomas Lehner in Rossrüti.

Zentraler Standort
Eines der zentralen Anliegen von Eva Reinhard ist die Bündelung der Kräfte. «Die dezentrale Struktur erschwert unsere Arbeit», sagte sie. «Sie ist zudem extrem teuer, weil viele Einrichtungen mehrfach geführt werden müssen.» Konkret verschlang allein die Miete im Jahr 2017 43,3 Mio. des Budgets von 186,8 Mio. Franken. Deshalb will die Referentin in Posieux einen zentralen Campus mit rund 700 Mitarbeitenden schaffen und damit Synergien nutzen. Der Investitionsbedarf würde sich auf ungefähr 300 Mio. Franken belaufen. Zur Abdeckung klimatischer und geografischer Anforderungen sollen schweizweit ungefähr zehn Satelliten mit 5 bis 15 Mitarbeitenden und punktuell regionale Zusammenarbeit dazukommen.

Neue Werte schaffen
Eva Reinhard war sich bewusst, dass diese Zentralisierung ein grundlegender Systemwechsel ist. Sie betonte deshalb, dass es nun darum gehe, die Bereitschaft für Bewegung und Veränderung anzustossen und zu fördern. Mit Selbstreflexion könnten neue Werte geschaffen werden. Ziel sei, Agroscope noch stärker als unverzichtbaren Partner für die Landwirtschaft und die Agrarpolitik zu positionieren. Mit seiner Forschung unterstütze das Institut die Anstrengungen der Landwirtschaftsbetriebe, sich mit wettbewerbsfähigen und nachhaltigen Produkten auf den Markt auszurichten. Es gehe aber auch um die Stärkung des Alleinstellungsmerkmals in Bezug auf die Forschung im Agrarbereich. Nicht zuletzt verspricht sich die Referentin einen Effizienzgewinn von rund 20 %.

Standort ist gegeben
Auf eine Frage aus dem Publikum führte Eva Reinhard aus, dass Posieux als zentraler Standort praktisch gegeben sei. Zum einen sei ein Teil der Gebäude bereits vorhanden. Zudem hätte ein Standort in der deutschen Schweiz politisch wohl kaum eine Chance. Ein Gast forderte vehement, dass die Verbindung zur Agrarpolitik beendet werden müsse. Reinhard entgegnete, dass Agroscope mit seiner Ressortforschung die Agrarpolitik des Bundes wissenschaftlich unterstütze und deshalb auch vom BLW finanziert werde. Bei einer Abtrennung befürchtete sie, dass dieser Finanzierungsweg wohl kaum aufrechterhalten würde.


Martin Brunner










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