Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Feuerbrand im Obstbau

Ausgabe Nummer 14 (2018)

Feuerbrand ist seit 2012 hauptsächlich an Hochstämmen und oft nur nach Altbefall mit Rückschnitt aufgetreten. Das lokale Aufflackern zeigt aber auch, dass die Krankheit nach wie vor ein grosses Infektionspotenzial mit sich bringt, wenn die Infektionsbedingungen stimmen. 2017 war nur deshalb kein Problem, weil der frühe Austrieb und der Frost die Vegetation stark beeinflussten. Nach Ende der Blüte wurden so viele Infektionstage nacheinander verzeichnet wie noch nie. Die Obstbauberatung empfiehlt auch dieses Jahr auf der Hut zu sein und vorbeugende Massnahmen bei Infektionsgefahr zu treffen.

Infektionsprognose
Agroscope rechnet aufgrund der Wetterstationen in den Kantonen die Feuerbrandinfektionsprognose und stellt die Daten unter www.feuerbrand.ch für jeden einsichtig ins Internet. Im Thurgau werden dazu Daten von 5 repräsentativen Wetterstationen errechnet. Wer nicht gerade in der Nähe wohnt, sucht sich die am nächstgelegene Station aus und verwendet diese Informationen.

Beurteilung der Infektionsgefahr für die eigenen Bäume
Es ist wichtig, dass der Bewirtschafter von Obstbäumen etwa weiss, wo im Umfeld Feuerbrand vorhanden war und ob in der eigenen Parzelle Altbefall vorlag. Ist dies der Fall, besteht ein höheres Risiko, dass erneut Feuerbrand auftritt. Wichtig ist der Vergleich der Obstblüte mit den Infektionsbedingungen. War es einmal während 6 Stunden mindestens 18,3 Grad warm, besteht ab dem Öffnen der ersten Blüten Infektionsgefahr, wenn die Tagesdurchschnittstemperatur über 16,5 Grad steigt. Auch diese Daten sind unter www.agrometeo.ch jederzeit einsichtig. Grundsätzlich kann auch gesagt werden, dass je später die Blüte einsetzt auch das Infektionsrisiko aufgrund der höheren Temperaturen steigt. Blüht es also schon im April, ist die Gefahr deutlich kleiner als wenn dies erst Mitte Mai der Fall ist.

Vorbeugende Massnahmen
Bereits vor der Blüte können 1 bis 2 Behandlungen mit Mycosin, einem Tonerdepräparat (je nach Verlauf der Witterung auch in kurzen Abständen von wenigen Tagen), ausgebracht werden. Das Produkt hat einen sehr tiefen pH Wert, welcher die Bakterienvermehrung hemmt. Es ist entscheidend, ob während der Blüte 1000 oder 5000 Bakterien pro Blüte vorhanden sind. Sobald die Blüte beginnt, sollten die rein vorbeugenden Behandlungen beginnen. Bei den bewilligten Produkten Blossom Protect, Mycosin, Serenade und LMA (LMA ist zurzeit noch nicht bewilligt, es braucht dazu eine Allgemeinverfügung des Bundes) braucht es bei hohem Infektionsrisiko praktisch jeden 2. bis 3. Tag eine Neubehandlung. Dies ist sehr aufwändig. Die Freilandversuche von Agroscope im Heraklesprojekt haben aber gezeigt, dass dieses Vorgehen auch bei hohem Infektionspotential zu hohen Wirkungsgraden führt. Die Produkte dürfen nur so oft eingesetzt werden, wie dies die Zulassung erlaubt. Dies betrifft insbesondere das Produkt LMA, welches auf drei Behandlungen beschränkt ist. Dies bedeutet, dass bei vielen Infektionstagen die anderen Produkte ebenfalls angewendet werden müssen, um einen befriedigenden Erfolg zu haben. Bion und Vacciplant sind zwei Pflanzenstärkungsmittel, welche mithelfen können, Infektionen zu verringern. Beide Produkte alleine angewendet, haben jedoch keine genügende Wirkung. Die Anwendung von Mycosin und Blossom Protect ist etwas umständlich und der Anwender ist gut bedient, wenn er sich strikt an die Anwendungs- empfehlungen hält. Dazu lohnt es sich, vor der Anwendung das richtige Vorgehen zu studieren. In der Abbildung 1 ist die Anwendungsstrategie mit den bewilligten Produkten aufgezeichnet. Betriebe mit der Möglichkeit, die Hagelnetzte durch Seitennetze zu ergänzen, können dies nutzen. Versuche zeigten, dass Feuerbrand selbst bei starkem Wind wesentlich weniger in eine Parzelle eindringt, wenn die Seitennetze geschlossen sind.

Feuerbrand auf Hochstämmen bekämpfen?
Auch bei Hochstämmen könnten die Produkte Mycosin und Blossom Protect eingesetzt werden. Ob dies beim Wirkungsgrad dieser Produkte und der intensiven Anwendung auch Sinn macht, sei dahingestellt. Ebenso ist die Unternutzung ein erschwerendes Hindernis. Bei Applikation mit dem Gun bringt man genug Feuchtigkeit, um Infektionen auch auszulösen. Ebenso sollte in Lagen mit hoher Bodenfeuchte (Senken und Mulden) nicht zusätzlich Feuchtigkeit erzeugt werden. Alle diese Punkte sprechen eher gegen eine Bekämpfung mit den bewilligten Mitteln. Eine solch generelle Aussage ist aber nicht korrekt. Bei leichtem bis mittlerem Infektionsdruck kann durch die Behandlungen Feuerbrand eventuell verhindert werden, insbesondere wenn es sich nicht um Lagen handelt, welche bereits durch die Topografie gefährdet sind.

Feuerbrandmeldepflicht
Feuerbrand gehört nach wie vor zu den allgemeingefährlichen Krankheiten und ist meldepflichtig. Der Bund hat die rechtliche Grundlage, die Bundesrichtlinie 3, einer Evaluation unterzogen und diese gilt auch heute noch. Die Rechtssicherheit ist damit gegeben.
Neu besteht auch gemäss der Direktzahlungsverordnung ab 2018 für Kernobstbäume, für welche Direktzahlungen beansprucht werden, eine Bekämpfungspflicht. Eine Liste der Feuerbrandkontrolleure Feldobstbau sowie der Gemeindekontaktstellen Feuerbrand ist auf www.arenenberg.ch zu finden.

Wie vorgehen bei Befall?
Im Thurgau bestehen zwei Bekämpfungszonen (Abbildung 2). In den Obstanlagen sowohl in der Obstbauzone 1 als auch in Schutzobjekten der Obstbauzone 2 ist Befall dem Kantonalen Pflanzenschutzdienst zu melden. Bei Hochstämmen in der Obstbauzone 1 und in den bezeichneten Schutzobjekten der Obstbauzone 2 sind die nebenamtlichen Feuerbrandkontrolleure zuständig. Diese kontrollieren nur Hochstämme. Bekämpfungsmassnahmen (Rückriss, Rückschnitt, Rodung) in der Obstbauzone 1 und den Schutzobjekten der Obstbauzone 2 werden vergütet. Dazu muss in jedem Fall ein Schadensprotokoll vorliegen. Das gilt auch, wenn die Gemeinde Feuerbrand im Siedlungsgebiet bekämpft. Massnahmen, welche ohne die Zustimmung der Kontrolleure erfolgen, werden nicht vergütet. Bei Befall an Hochstämmen in der Obstbauzone 2 ausserhalb der Schutzobjekte erfolgt keine Entschädigung für die Bekämpfungsmassnahmen. Die Hochstämme müssen jedoch gemäss Merkblatt Hochstammpflege von Agridea (www.agridea.ch) von Feuerbrand gesäubert werden. Für Befall im Siedlungsgebiet sind die Gemeindekontaktstellen und die Gemeinde mit ihren eigenen Kontrolleuren zuständig. In der Regel erfolgt in der Obstbauzone 2 durch die Gemeinde keine Bekämpfung mehr. Es ist wichtig, dass die Feuerbrandbekämpfung unter Einhaltung der hygienischen Empfehlungen erfolgt. Auf www.feuerbrand.ch finden sich verschiedene Merkblätter und Hinweise zur Desinfektion von Geräten und Händen.

Feuerbrand sofort bekämpfen
Entgegen anderslautender Theorien ist der Pflanzenschutzdienst nach wie vor der Auffassung, dass Feuerbrand möglichst rasch bekämpft werden soll. Grosszügiger Rückriss und Rückschnitt sowohl in Obstanlagen als auch auf Hochstämmen bildet die Basis für die weitere Bekämpfung. Entschädigungen via Pflanzenschutzfonds können nur geltend gemacht werden, wenn eine fachgerechte Bekämpfung erfolgt. Fachgerecht heisst in diesem Fall eine dem Befall angepasste Strategie. Bei Birnbäumen mit stärkerem Befall ist Rückschnitt selbst bei sehr raschem Eingreifen oft wenig erfolgreich. Bei Apfelbäumen gibt es grosse Unterschiede bei den Sorten. Sind Quitten befallen, ist die Rodung ausser bei marginalem Befall die Regel.


BBZ Arenenberg
Urs Müller













« zurück zur Übersicht