Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
9. November 2018


Reise durch Westkanada 2018

Ausgabe Nummer 44 (2018)

Diesen Sommer, vom 20. Juni bis 6. Juli, begaben sich 20 Reiselustige vom Verein ehemaliger Schüler und Schülerinnen der St. Galler Landwirtschafts- und Hauswirtschaftsschulen (VESTG) auf die Reise über den grossen Teich nach Kanada.

In Vancouver wurden wir von unseren Reiseleitern Fred und Marcel begrüsst und bei schönstem Wetter durch die Stadt geführt. Am nächsten Morgen ging es der wunderschönen Küste entlang zur Fähre nach Vancouver Island. Nach einer 11⁄2-stündigen Fahrt übers Meer besuchten wir den Regenwald, wo über 800 Jahre alte imposante Douglasfichten stehen. Es brauchte fünf Personen, um einen Baum zu umarmen. Auf dem Weg zum nächsten Hotel in Parksville machten wir einen Glacestopp auf einem Markt und konnten Ziegen auf dem Dach eines Lebensmittelgeschäftes beim Grasen beobachten.

Jodeln in Kanada
Das nächste Tagesziel hiess Victoria. Die einen genossen die Promenade, andere fuhren mit einem Wassertaxi zu den Hausbooten, auf welchen die Menschen das ganze Jahr wohnen.
Bereits nach kurzer Reisezeit wuchsen wir zu einer lustigen, geselligen und singfreudigen Familie zusammen. Unsere Jodellieder erfreuten nach dem Nachtessen so sehr, dass wir in einem Nebenraum unter der Leitung von Fred und Marcel, die in Kanada in einem Schweizer Jodelclub singen, unsere erste Chorprobe abhielten.

Buckelwale gesichtet
Am nächsten Tag war eine Walbeobachtung angesagt. Wenn einige schon vorher gewusst hätten, dass wir mit dem roten Gummiboot aufs weite Meer hinausfahren, hätten sie es sich wohl anders überlegt. Doch angemeldet ist angemeldet, und wir schlüpften in das Sicherheitskostüm. Nach einer guten Stunde Fahrt übers offene Meer zeigte uns der erste Buckelwal seine Flosse. Unsere Freude wurde umso grösser, als uns weitere Wale vor die Linse kamen. Die andere Gruppe besuchte unterdessen einen Holzumschlagplatz, wo die grossen Stämme sortiert und für den Wassertransport vorbereitet wurden.

Kein Bär in Sicht
Auf dem Weg zur Fähre zurück nach Vancouver machten wir Halt im wunderschönen Butchart Garden. Marcel offerierte uns nach der Fahrt durch das Fraser Valley im Hotel in Chiliwack einen Apero mit feinem Käse, den einige Reisende schon vermisst hatten.
Der nächste Tag führte uns durch den waldigen Manning Park ins trockene Okanagantal. Alle hofften, einen freilebenden Bär zu sehen, was uns leider verwehrt blieb. Nach einer Besichtigung eines Weinguts und Degustation edler Tropfen in Keremeos fuhren wir zur Übernachtung nach Vernon.
Das Okanagantal ist bekannt für seine Obst-, Früchte- und Weinplantagen. So besuchten wir am nächsten Tag einen Schweizer Winzer, der mit viel Herzblut seine Reben pflegt, keltert und selbst vermarktet. Sehr spannend war die Führung, vorzüglich der Wein, und die Gruppe wurde dementsprechend immer lustiger. Wie immer verabschiedeten wir uns als Dankeschön mit einem Jodellied, bevor wir das Hotel in freier Natur bei Revelstoke bezogen.

Nasse Schnitzereien
Auch auf dem Weg durch den Glacier Nationalpark zum Rogers Pass hielten wir weiter Ausschau nach Meister Petz. Wir mussten uns jedoch mit einem ausgestopften Exemplar im Museum zufriedengeben. In Golden gab es einen weiteren Halt, bevor wir in Radium Hot Springs einen ausgewanderten Glarner besuchten. Bei der Besichtigung seiner vielfältigen Schnitzereien spritzte plötzlich Wasser aus verschiedenen Figuren, und wir wurden klatschnass. Unsere Reiseleiter hatten grossen Spass, uns dieses Dorforiginal vorzustellen.
Eine weitere Station unserer Reise führte uns durch die grandiose Bergwelt der Rocky Mountains. Sie sind voller touristischer Sehenswürdigkeiten. Prächtige Gletscher, der Lake Louise sowie andere türkisfarbene Seen. Ohne grosse Kurven fuhren wir von 450 auf 2100 m über Meer. Ebenfalls eindrücklich war die Fahrt ins flache Agrargebiet der Provinz Alberta. Es war unübersehbar, dass dort vor einigen Jahren Waldbrände stark gewütet hatten.

Der wilde Westen
Am nächsten Tag besuchten wir eine sehr grosse Holstein Milch- und Zuchtfarm mit 1000 ha Land. Die Farm besitzt ca. 5000 Tiere. Ein Teil der Gruppe verweilte später bei einem John Deere Händler, die andere in einem Westernladen. Am Nachmittag besuchten wir das Rodeo in Ponoka, wo echte Cowboys die wilden Pferde reiten und Kälber mit dem Lasso einfangen. Danach gingen wir zum Bullriding, welches jedoch nicht immer zur Zufriedenheit des reitenden Cowboys endete. Nach dem Nachtessen liessen einige das Western-Feeling in der Cowboy Bar mit Bier, Musik und Tanz ausklingen.

Grosse Dimensionen
Eindrücklich war auch der Besuch einer Ziegen- Milchfarm, wo die Milch zu Käse und anderen Produkten verarbeitet wird. Im rustikalen Party-Raum durften wir die leckeren Käse degustieren. Nicht schlecht staunten wir anschliessend über die 2000 ha grosse Getreidefarm. Da waren wir definitiv im Land der anderen Dimensionen angekommen. Fasziniert wurde die Sämaschine, mit der man auf einer Breite von 21 m säen kann, begutachtet. Zusammengeklappt ist das Ding noch immer 8,5 m breit. Über 30 Silos werden für die Getreidelagerung benötigt.

Betriebe besichtigt
Auf der Ranch unseres Reiseorganisators durften wir es uns auf der Veranda gemütlich machen. Fred und Marcel grillierten gekonnt und ihre Frauen und Kinder verwöhnten uns mit einem Salat- und Dessertbuffet. Als Dankeschön sangen wir ihnen ein Lied. Am nächsten Tag fuhren wir an blühenden Rapsfeldern entlang, welche alle bewässert werden müssen. Beim Besuch eines Holstein-Zuchtbetriebes konnten wir feststellen, dass auch kleinere Betriebe mit 70 Kühen eine Existenz haben.
Auch sympathisch für uns Schweizer war der Besuch einer Jersey-Michfarm mit 100 Kühen, die auf der Weide grasten. Weil ihre Milch mehr Eiweiss- und Fettgehalt hat, bekommt der Farmer ca. 25 Rp. mehr pro Liter.
Am Nachmittag kletterten wir in den von der Natur gebildeten Sandsteinskulpturen von Drumheller herum. Auf der Fahrt nach Brooks zogen weite, öde Prärien an uns vorbei, wo der Cowboy gegen den Herbst seine Rinder mit dem Pferd finden und zusammentreiben muss.

Rinder, Bienen und Kartoffeln
Einige von uns standen am nächsten Morgen früh auf, um in einem Flugzeug für maximal 4 Personen eine Rindermastfarm mit 95 000 Tieren aus der Vogelperspektive zu betrachten. Wir fuhren an vielen Erdgasquellen und Ölpumpen vorbei und machten einen Halt bei einem Luzernefeld. Interessiert hörten wir Ralf Breitenmoser zu. Er erklärte, wie die Blattschneidebienen wohnen und die Raps- und Luzerneblüten bestäuben. Etwas später begrüsste er uns auf der Kartoffelfarm. Die Lagerkapazität mit bis zu 14 000 Tonnen Kartoffeln lässt uns einmal mehr erstaunen. Die Säarbeit dauert vier, die Ernte 7,5 Wochen.

Leben in der Kolonie
Eindrücklich war auch der Besuch einer Hutterer- Kolonie am nächsten Tag. Jakob Hutterer, ursprünglich aus dem Tirol, bildete um das Jahr 1500 n.Ch. eine Glaubenspraxis, die immer mehr Anhänger fand. Sie wurden oft verfolgt und leben seit ca.1850 in Kanada. Mit Begeisterung führten sie uns durch ihren Betrieb und ihr Leben. Sie bewirtschaften eine Farm mit 8000 ha und sind zu 100 % Selbstversorger. Die Männer arbeiten draussen mit modernen Maschinen, und die Frauen kümmern sich um den Gemeinschaftshaushalt. Alle Erwachsenen essen im gleichen Saal, die Kinder separat. Für die geleistete Arbeit gibt es keinen Lohn, denn alles gehört allen. Sie verbringen ihr ganzes Leben in dieser Kolonie und dürfen sie nur verlassen, wenn sie zu Besuch auf eine andere Kolonie gehen.
Am Nachmittag wanderten wir durch einen wunderschönen Dinosaurierpark, der in einer sehr speziellen Naturlandschaft liegt. Für das Nachtessen ging es in einen Western-Saloon, in welchem wir unser Fleisch selber grillierten.
Am letzten Tag fuhren wir zur Pferde-Sportanlage Spruce Meadows, wo ein Pferdespringen im Gange war. Das Mittagessen genossen wir im Drehrestaurant vom Calgary Tower. Der 190 m hohe Turm wurde im Jahr 1967 in nur 19 Tagen gebaut. Wir flanierten noch durch die Stadt und genossen den letzten Abend in geselliger Runde.

Im Namen aller Reiseteilnehmer danken wir Fred und Marcel für die Betreuung und die gut organisierte Reise. Gerne denken wir an diese schöne Zeit zurück und sind gespannt, in welche Region Kanadas uns die Reise 2019 mit Salranch Tours führen wird.


Yvonne Bruni, Erna Bachmann, Jakob Sturzenegger
Fotos: zVg













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