Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


St. Galler Landwirtschaft nicht im Trend

Ausgabe Nummer 14 (2018)

Delegiertenversammlung des St. Galler Bauernverbandes (SGBV)

Die Delegierten des St. Galler Bauernverbandes hatten sich am 28. März an ihrer DV in Oberbüren mit den wichtigsten agrarpolitischen Herausforderungen befasst. Der Kanton will eine kantonale Landwirtschaftsstrategie erarbeiten. Ganz untypisch ist die Entwicklung in der St. Galler Landwirtschaft. Es haben noch nie so wenige Betriebe aufgegeben wie 2017 und die Lernendenzahl in der Landwirtschaft ist entgegen dem Trend auf einem hohen Niveau sehr stabil.

Verbandspräsident Peter Nüesch kritisierte in seinen Begrüssungsworten die laufenden Anschuldigungen gegen die Landwirtschaft. «Die Landwirtschaft für alles und jedes als Sündenbock darzustellen, sei nicht nur unfair sondern schlichtweg falsch», betonte der SGBV-Präsident. Gerade im Zusammenhang mit der Grenzöffnungsfrage sei die Landwirtschaft von verschiedenen Kreisen an den Pranger gestellt worden. Dabei wollen die Bauern einfach einen fairen Handel von Lebensmitteln und dazu die entsprechenden Regeln. Er forderte die Delegierten auf, verstärkt Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Die Gesellschaft sei immer weiter weg von Landwirtschaft und Realität. Die Image- und Überzeugungsarbeit für die einheimisch Schaffenden und die Produktion von Lebensmitteln sei wichtiger denn je.

Perspektiven der St. Galler Landwirtschaft
Regierungsrat Bruno Damann hatte es an der letzten DV bereits angekündigt. Der Kanton und die St. Galler Landwirtschaft müssten strategische Überlegungen anstellen. «Ein entsprechendes Projekt wird nun lanciert», erläuterte der Volkswirtschaftsminister. Der Kanton muss nun zusammen mit der Verwaltung und den landwirtschaftlichen Akteuren einen entsprechenden Strategiebericht erstellen. Darin sollen die notwendigen Massnahmen zur Weiterentwicklung der St. Galler Landwirtschaft erarbeitet werden. Ziel ist, dass der Produktionsstandort St. Gallen gestärkt wird und die Bäuerinnen und Bauern entsprechende Perspektiven erhalten.

St. Galler Landwirtschaft fällt aus der Reihe
Täglich geben in der Schweiz drei Landwirtschaftsbetriebe auf. Die St. Galler Landwirtschaft passt aktuell nicht in diesen Trend. Gemäss Statistik wurde noch nie eine so geringe Anzahl von Betriebsaufgaben im Kanton St. Gallen registriert. 2017 waren es gerade mal deren 43 Betriebe oder 1,2 %, welche als Bauerngewerbe nicht mehr weiter bewirtschaftet wurden. Eine Entwicklung gegen den allgemeinen Trend verzeichnet auch die Ausbildung. Viele Branchen haben Mühe, die freien Lehrstellen zu besetzen. Die Zahl der Lehrverhältnisse in der Landwirtschaft ist jedoch nach wie vor auf einem hohen Niveau sehr stabil. Innerhalb des Lehrbetriebsverbundes SG-ARAI- FL bestehen aktuell 276 Lehrverhältnisse. Entgegen den Ausführungen in der Boulevardpresse von Anfang Woche liegt die Lehrabbruchsquote unter 3 % und jene mit Lehrbetriebswechseln unter 6 %.

Landwirtschaft stellt sich der Herausforderung Antibiotika
Dr. Roger Stephan von der Universität Zürich referierte im Anschluss an die DV zum Thema Antibiotika in der Landwirtschaft. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen standen die Aspekte zum Anbiotikaeinsatz und zu antibiotikaresistenten Keimen. Stephan betonte, dass die Landwirtschaft sehr grosse Anstrengungen unternehme. Die ersten Erfolge seien sichtbar. Es sei jedoch wichtig, dass mit der neuen Datenbank zur Erfassung des Antibiotikaverbrauchs mehr Transparenz geschaffen werde und die Landwirtschaft aufzeigen könne, dass sie das Thema im Vergleich zur Humanmedizin konsequent angehe.


Andreas Widmer










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