Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
14. September 2018


Vom Landwirt zum Unternehmer - individuell und praxisbezogen

Ausgabe Nummer 14 (2018)

Wer einen Landwirtschaftsbetrieb erfolgreich führen und weiterentwickeln will, muss unternehmerisch denken. Dieses unternehmerische Rüstzeug wird in der Betriebsleiterschule oder der Weiterbildung zum Agrotechniker HF oder zur Agrotechnikerin HF weitergegeben.

Für die erfolgreiche Führung eines landwirtschaftlichen Unternehmens genügen heute alleinige produktionstechnische Kenntnisse nicht mehr. Wer sein Unternehmen in die Zukunft führen will, muss dieses konsequent weiterentwickeln, Schwerpunkte setzen, unternehmerisch denken, seine Produkte erfolgreich vermarkten und über ein gutes Netzwerk verfügen.
Am BBZ Arenenberg werden diese Kompetenzen während der Betriebsleiterschule oder der Weiterbildung zum/zur Agrotechniker/-in HF vermittelt. Beide Weiterbildungen sind auf unternehmerisch denkende Berufsleute ausgerichtet, die in der Landwirtschaft oder in der vor- und nachgelagerten Branche Fach- und Führungsverantwortung übernehmen möchten.

Betriebsleiterschule – mit der Berufs- und Meisterprüfung zum Erfolg
Die Betriebsleiterschule ist in zwei Stufen (Berufsprüfung, Meisterprüfung) unterteilt und modular aufgebaut. Für die Berufsprüfung gelten die vier Module «persönliche und methodische Kompetenzen», «Wirtschaftlichkeit des Betriebes», «Marketing» und «Personalführung» als Pflichtmodule. Ergänzend zu diesen Pflichtmodulen können verschiedene Wahlmodule aus den Bereichen Produktionstechnik und Dienstleistungen besucht werden. Die Wahl dieser Module kann optimal auf den eigenen Betrieb oder die persönlichen Interessen abgestimmt werden. Die erste Stufe der Betriebsleiterschule startet jedes Jahr jeweils nach den Herbstferien. Während zwei Jahren muss mit etwa zwei Ausbildungstagen gerechnet werden. Diese sind hauptsächlich über die Wintermonate verteilt.
Auf der Berufsprüfung aufbauend können während eines Winters die Pflichtmodule für die Meisterprüfung besucht werden. Die Betriebsleiter befassen sich dabei vertieft mit Themen wie «Strategische Unternehmensführung », «Agrarpolitik», «Agrarrecht» oder «Steuern und Versicherungen». Die Module des Meisterlehrgangs werden alle zwei Jahre durchgeführt. Der nächste Lehrgang startet im Herbst 2019.

Lehrgang «Agrotechnik HF» – für Fach- und Führungskräfte
Wer in der Landwirtschaft oder der vor- und nachgelagerten Branche eine Führungsfunktion übernehmen möchte, bereitet sich mit der Weiterbildung zum/zur Agrotechniker/-in HF optimal darauf vor. Nebst den Modulen der Betriebsleiterschule vertiefen sich die Lernenden mit Themen aus den Bereichen Naturwissenschaft, Informatik und Sprachen. Der berufsbegleitende Lehrgang dauert drei Jahre und wird alle zwei Jahre gestartet. Der nächste Lehrgang beginnt im Sommer 2019.

Nachgefragt bei Josua Neuhaus
Josua Neuhaus aus Opfershofen absolviert die Weiterbildung zum Agrotechniker HF, welche das BBZ Arenenberg zusammen mit den Ausbildungszentren Rheinhof Salez und Plantahof anbietet. Die Inhalte der Betriebsleiterschule sind ein fester Bestandteil seiner Weiterbildung. Zusätzlich zu den Modulen der Betriebsleiterschule eignet er sich als angehender Agrotechniker weiteres Fachwissen an.

Was ist deine Motivation, dass du nach der Grundausbildung zum Landwirt EFZ nun die Weiterbildung zum Agrotechniker absolvierst? Josua Neuhaus: Nach meiner Grundbildung zum Landwirt war für mich die landwirtschaftliche Zukunft noch ungewiss. Der elterliche Betrieb wurde bald von meinem ältesten Bruder übernommen. Nach einem Abstecher in die Baubranche als Zimmermann zog es mich zurück zu den Wurzeln. Für mich war klar, dass ich mich weiterbilden muss – auch wenn sich eine Möglichkeit bieten würde, einen Betrieb zu übernehmen. Mit der Weiterbildung zum Agrotechniker HF will ich mir so viele Wege wie möglich offen halten.

Die dreijährige berufsbegleitende Weiterbildung zum Agrotechniker HF hat für dich im vergangenen Herbst begonnen. In welchen Modulen oder Fächern konntest du bis anhin am meisten profitieren?
Der Start war sehr intensiv. Die Fächer Biologie und Chemie haben mich stark gefordert. Jedoch sind es auch diese zwei, die mir halfen, Zusammenhänge besser zu verstehen. In den Betriebsleitermodulen waren es vor allem die Module Milchviehhaltung und Betriebswirtschaft. Da ich nun auf einem Betrieb mit Milchkühen arbeiten kann, sind das zwei Module, von denen ich am meisten direkt profitieren konnte.

Wie praxisnah ist das Gelernte? Was konntest du bisher auf dem Landwirtschaftsbetrieb oder im Privaten umsetzen?
Das Gelernte von der Schule in den Betrieb zu bringen ist immer herausfordernd. Ich darf mich an meinem Arbeitsplatz jetzt um die Zucht der Milchkühe kümmern, was sehr spannend ist. Es fällt mir jetzt einfacher, kurze betriebswirtschaftliche Überlegungen zu machen.

Was für einen Stellenwert hat für dich der fachliche Austausch innerhalb der Klasse?
Die verschiedenen Meinungen und Erfahrungen zu hören ist absolut genial. Ich konnte von meinen Mitschülern sehr viel lernen. Was aber noch fast intensiver war, sind die zahlreichen Exkursionen, die wir unternahmen. Sei es um eine Marketingstrategie zu beobachten oder verschiedene Betriebsmodelle in der Milchproduktion von Low-Input bis High-Output zu analysieren.

Weshalb empfiehlst du landwirtschaftlichen Lehrabgängern, die Betriebsleiterschule zu besuchen?
Die landwirtschaftliche Grundbildung ist eine sehr gute Grundlage. Ich bin jedoch überzeugt, dass es für die Zukunft wichtig ist, gut ausgebildet zu sein. Es wird immer mehr «Papier» auf uns zu kommen und die Anforderungen an den modernen Landwirt sinken nicht! Dazu kommt, dass wir in unserem Kanton innovative und gut ausgebildete Junglandwirte brauchen, die es mit der Zukunft aufnehmen wollen.


BBZ Arenenberg
Esra Müdespacher







« zurück zur Übersicht